Angst – Der unbeachtete Faktor

Angst – Der unbeachtete Faktor

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Je mehr Angst wir haben, desto anfälliger sind wir für eine Erkrankung und desto irrationaler handeln wir. Dazu drei Sätze aus einem Artikel der Universität von Minnesota ([1]):
„Mit einer ständigen Bedrohung zu leben hat ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen“.
„Angst schwächt unser Immunsystem“,
„Angst beeinträchtigt unser Denken und unser Entscheidungsvermögen.“

Angst hat einen Nocebo-Effekt. Der Nocebo-Effekt ist die negative Version des Placebo-Effekts. Placebo ist das lateinische Wort für „ich werde gefallen“, nocebo ist das lateinische Wort für „ich werde schaden“. Die neutrale Formulierung des zugrundeliegenden Prinzips ist: „Gedanken und Gefühle materialisieren“.

Der Placebo-Effekt ist bekannt und er ist real. Siehe dazu zB den Artikel „The Power of the Placebo Effect“ der renommierten US-amerikanischen Harvard Medical School ([2]).

Mit anderen Worten: Angst verstärkt die Krise. Wenn es um das „Retten von Leben“ geht, müsste nach den vorliegenden Erkenntnissen über Angst und den Placebo/Nocebo-Effekt der Faktor Angst in die Maßnahmen mit einbezogen werden, dh man müsste den Menschen ausreichend Mut machen.

Grafik von Clker-Free-Vector-Images auf unsplash.com

Das ist eine Gratwanderung. Diese kann nicht mit dem Satz „Es besteht kein Grund zur Panik“ gelingen. Dieser Satz wirkt so, wie der Satz „Denke nicht an einen rosaroten Elefanten.“

Angst ist um Größenordnungen ansteckender als jeder Virus. Ein Virus braucht für die Übertragung eine Form von physischer Nähe. Angst verbreitet sich auch ohne physische Nähe. Angst verbreitet sich durch gegenseitiges Zuschauen beim Angsthaben; über die Medien; über das Internet; über das Telefon.

Wenn in einer Tierherde ein paar Tiere zu fliehen beginnen, fliehen alle.

Die Essenz dessen, womit wir derzeit von den Medien bombardiert werden, ist: „Hab Angst vor den anderen Menschen.“

Dazu passt ein heute auf CNN erschiener Artikel, der auf der Homepage mit dem folgenden Titel angekündigt war: „Bus driver posted angry video about coughing passenger. He died days later.“ („Busfahrer veröffentlicht wütendes Video über hustenden Passagier. Er starb Tage später.“) ([3]).

Der Inhalt dieses Artikels ist verschieden von dem, was der Titel nahelegt. Wie viele prüfen den Artikel, wie viele lesen nur die Schlagzeile?

Nicht nur in dieser Krise übertreffen Medien einander mit Horror-Nachrichten und Horror-Szenarien. Medienleute lieben Horror- und Worst-Case-Szenarien. Das hat wirtschaftliche Gründen: Schlechte Nachrichten verkaufen sich besser als gute Nachrichten.

Es ist also nicht die „Schuld“ der Medien. Sie bedienen ganz einfach nur einen Markt. Es ist ein Phänomen unserer Gesellschaft.

Wir sind eine angstgesteuerte Gesellschaft.

Aus der Angst heraus zu handeln ist für uns normal, obwohl es nicht natürlich ist. Von Angst gesteuert zu sein entsteht, während wir aufwachsen.

Foto von Francois Verbeek auf unsplash.com

Als Kinder haben wir keine Angst. Wir sind leidenschaftlich neugierig. Wir lassen uns auf das Unbekannte ein und erforschen es. Dadurch wachsen wir – körperlich wie geistig.

Doch wir kopieren die angstgesteuerte Lebensweise unserer Eltern (siehe dazu mein Artikel „Die ANDERE Geschichte vom Adler im Hühnerstall“). Wir lernen, nach Sicherheit zu streben. Wir lernen, die Langeweile des Funktionierens der Freude des Wachsens vorzuziehen. Ich schreibe darüber ausführlich in meinem Buch „Neugier: Der geistige Hunger des Menschen.

Natürlicherweise würden Menschen im Fall einer Krise enger zusammenrücken. Man rückt zusammen, um sich gegenseitig zu schützen; sich zu trösten; sich Mut zuzusprechen. Auch Tierherden rücken bei Gefahr zusammen.

Doch derzeit wird uns die Angst voreinander beigebracht. Wir dürfen nicht natürlich reagieren. Wir sind in einer Angstspirale gelandet. Dabei entsteht Verzweiflung.

So werden wir von einer angstgesteuerten Gesellschaft zu einer angstgesteuerten verzweifelten Gesellschaft.

Vielleicht argumentierst Du, dass Du keine Angst hast und dass der Tsunami an medialer Berichterstattlung nichts mit Dir macht.

Aber:

Die mediale Berichterstattlung geht an niemandem spurlos vorüber. Sie macht mit jedem von uns etwas. Mit dem Einen mehr, mit dem Anderen weniger.

Und Du bist davon betroffen, solange Du ein Leben als ein Teil der Gesellschaft führst bzw führen möchtest. Es geht hier um die Wirkung auf die Masse. Und die Masse hat Angst und wird immer ängstlicher und dabei auch verzweifelter. Wenn in einer Demokratie die Mehrheit Angst hat, regiert die Angst. Wo Angst regiert, entstehen mehr und mehr Regeln. Die persönliche Freiheit wird mehr und mehr eingeschränkt.

Dazu noch ein vierter Satz aus dem bereits erwähnten Artikel der Universität Minnesota ([1]):
„Weitere Folgen länger anhaltender Angst sind Erschöpfung, klinische Depression und Posttraumatische Belastungsstörungen.“

Das Kollektiv führt sich selbst ad absurdum.

Die Medien könnten uns auch Mut machen, indem sie zB Erfolgsmeldungen veröffentlichen. Sie könnten wieder und wieder betonen, dass 95 % aller infizierten Personen keine oder nur milde Symptome haben und wieder und sie könnten wieder Menschen aus diesen 95 % zu Wort kommen lassen. Sie könnten uns wieder und wieder daran erinnern, dass wir durch eine gesunde Lebensweise unser Immunsystem stärken können. Wie können wir sie dazu bringen, das zu tun? Wir könnten Leserbriefe schreiben, Erfolgsgeschichten und Mutmacher-Artikel veröffentlichen; …

Das Gegenteil von Angst ist Neugier. Daher ist Neugier – wahre Neugier, dh die Neugier, die wir als Kinder hatten – der einzige Ausweg aus dieser Situation. Wir könnten damit beginnen, nach der Wahrheit zu graben. (Siehe dazu mein Artikel „How to Dig for the Truth.“) Diesen Weg kann man nur individuell beschreiten, nicht kollektiv.

Ich schreibe über die wahre Neugier in meinem Buch über die Neugier.

bk

[1] Impact of Fear and Anxiety. (University of Minnesota). https://www.takingcharge.csh.umn.edu/impact-fear-and-anxiety

[2] The Power of the Placebo Effect. https://www.health.harvard.edu/mental-health/the-power-of-the-placebo-effect

[3] https://edition.cnn.com/videos/health/2020/04/03/bus-driver-coughed-on-video-dies-detroit-vpx.cnn