Mein Körper wollte mit mir sprechen

Mein Körper wollte mit mir sprechen

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2011 hatte ich begonnen, zu erforschen, was ich ohne meine Programme bin (siehe „ANDERE Geschichte vom Adler im Hühnerstall“).

Im Frühjahr 2014 begannen Schmerzen im rechten Kiefer. Ich konsultierte meinen Zahnarzt. Seine Diagnose: Die Zähne sind in Ordnung.

Mit dem Verdacht, dass das rechte Kiefergelenk die Schmerzen verursachte, ging ich zu einer Osteopathin. Sie bestätigte den Verdacht und schlug vier Behandlungen im Abstand von je einer Woche vor.

Nach der ersten Behandlung war der Schmerz wie weggeblasen. Selbstverständlich nahm ich alle vier Termine wahr. Während der drei Wochen zwischen dem ersten und dem vierten Termin war ich völlig schmerzfrei. Unmittelbar nach dem vierten Termin, auf dem Weg von der Osteopathin zum Auto, kam der Schmerz wieder; und zwar mit der gleichen Intensität, wie vor der ersten Behandlung.

Die einzig sinnvolle Erklärung war, dass mein Körper mit mir sprechen wollte. Ich nahm an, er sagte: „Ich will nicht, dass Du die Schmerzen unterdrückst oder verschiebst. Ich will mit Dir sprechen. Die Schmerzen sind Teil meiner Sprache.“

Ich ließ mich auf das Gespräch ein. Die kommenden Wochen beobachtete ich mein Leben und mein Verhalten vor dem Hintergrund meiner Kieferschmerzen. Ich erkannte ein Muster zwischen meinem Verhalten und den Schmerzen. Jedes Mal, wenn ich dieses Muster bediente, wurde der Schmerz stärker. Indem ich willentlich aus diesem Muster ausstieg, hörten sie auf.

Das war eine Schlüsselerfahrung.

Bald darauf hatte ich auf einer Wanderung einen Unfall. Ich blieb mit dem rechten Vorderfuß stecken, stürzte, und brach mir dabei die große Zehe.

Ich hatte bereits anerkannt, dass der Körper mit mir spricht. Wenn er durch Krankheiten spricht, dann auch durch Unfälle. Was wollte mir die gebrochene Zehe sagen?

Ich war mit der Zehe hängen/stecken geblieben. Wo war ich in meinem Leben hängen/stecken geblieben?

Die Antwort war offensichtlich. Ich war mit meiner Erforschung steckengeblieben. Ich wollte wissen, was ich ohne meine Programme bin. Doch ich hatte schon seit Monaten keine echten Fortschritte mehr gemacht. Und alle bisherigen Erkenntnisse blieben nur Theorie.

Warum?

Weil ich weiterhin die Hühnerstall-Programme bediente. Ich hatte mein Leben weitergeführt, ohne etwas zu verändern. Doch wie will der Adler sein Adler-Sein befreien, wenn er weiterlebt wie ein Huhn?

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und entschied mich für einen radikalen Schritt. Ich verließ den menschlichen Hühnerstall. Ich beendete meine Karriere und meine Beziehung. Ich verabschiedete mich von Familie und Freunden, verschenkte meinen Hausrat und verkaufte meine Wohnung. Ich zog nach Scharnstein im Almtal in OÖ.

Ab sofort lebte ich ohne sozialen Umgang. Ich hatte nur die allernötigsten sozialen Kontakte wie Einkaufen. Ich widmete 100 % meiner Zeit der Erforschung der Frage: „Was bin ich ohne meine Programme?“

Mit diesem Schritt begann die aufregendste und erfüllendste Zeit meines Lebens.