Unsere Illusion von Freiheit

Unsere Illusion von Freiheit

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Warum unser illusionäres Konzept von Freiheit uns in eine Sackgasse geführt hat

Wenn meine Freiheit von jemandem oder etwas abhängt, wie zB einem Partner oder einer Regierung, dann stimmt mit dem Konzept von Freiheit etwas nicht. Freiheit und Abhängigkeit passen nicht zusammen!

Wir haben das noch nie so klar und schmerzhaft erlebt wie derzeit.

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Unsere Gesellschaft basiert auf dem Freiheitsbegriff im Sinne von: „Ich bin frei, wenn ich tun (machen) kann, was ich will.“ Diese Definition verbindet Freiheit mit Macht. Je mehr Macht ich habe, desto mehr kann ich machen, was ich will, dh desto freier bin ich. Das Streben nach Freiheit wird zu einem Streben nach Macht.

Diese Definition ist die Wurzel vieler Probleme.

Stell Dir zur Veranschaulichung einen Baum vor, der sei­nen Schatten auf zwei Häuser wirft. Der Bewoh­ner des einen Hau­ses schätzt den Schat­ten, der Bewohner des ande­ren Hauses hätte lieber den Sonnenschein. Da­her möchte der eine den Baum behal­ten, der andere möchte ihn fällen. Klarerweise kann nur einer der beiden sei­ne Macht und somit seine vermeintliche Freiheit ausüben. Also kommt es zu einem Macht­kampf. Jeder will dem anderen – und sich selbst – zeigen, dass er frei ist, weil er Macht hat.

Früher wurden Machtkämpfe mit der Faust ausgetragen. Heute gibt es dafür zwar unblutige Methoden wie die Demokratie oder Geld, doch es bleiben Machtkämpfe.

Dieser auf Macht basierte Freiheitsbegriff ist tief in den Menschen verankert. Er ist ein Teil des menschlichen „Huhn-Programms“ – um die metaphorische Sprache zu verwenden, die ich in „Die ANDERE Geschichte vom Adler im Hühnerstall“ eingeführt habe.

Anfang des zwanzigsten Jahr­hunderts wur­de dieser Freiheitsbegriff vom Okkultisten Aleister Crow­ley intensiv propagiert. Crowley gründete eine Religion/Philosophie mit dem Titel Thelema, welches das altgriechischen Wort für Wille ist. Crowley hat für diese Religion/Phi­lo­sophie eine einzige Regel formuliert: „Tu was Du willst soll sein das einzige Gesetz.“

Dieser Satz ist ein Aufruf zum Ausüben von Macht. Crowley und sein Gedanken­gut wurden durch Künst­ler unters Volk gebracht. Sein Porträt oder sein Name finden sich auf den Plattencovern popu­lärer Musiker und Musikgrup­pen, wie den Beatles und Michael Jackson. Man findet obiges „Gesetz“ teilwei­se oder ganz in Liedtexten.

Massen von Menschen wurden und werden entsprechend programmiert. Jeder möchte tun, was er/sie will.

Das erzeugt Macht-Hierarchien. Diejenigen mit mehr Macht unterdrücken diejenigen mit weniger Macht.

Jemand kann Macht in einem gewissen Bereich haben, doch machtlos in einem anderen sein. Daher sind die Macht-Hierarchien je nach Bereich sehr verschieden. Das kann in einer sozialen Gruppe – beginnend mit einfachen Gruppen wie einer Partnerschaft – zu sehr komplexen Situationen führen. Es entstehen ineinander verwobene und zum Teil äußerst subtile Macht­kämpfe. Das öffnet allen Arten von Manipulation und Missbrauch Tür und Tor.

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Betrachten wir die aktuelle Situation aus der Perspektive von Macht-Hierarchien. Der weltweite Shutdown entstand, weil eine Organisation eine Pandemie ausgerufen und dazu Empfehlungen gegeben hat. Fast alle nationalen Macht-Hierarchien sind dem gefolgt und haben das öffentliche Leben in ihren Ländern stillgelegt.

Mit anderen Worten, einige wenige Menschen haben die Macht, den ganzen Planeten herunterzufahren.

Es geht hier nicht um eine Bewertung oder Beurteilung der aktuellen Situation. Es geht hier einzig um das Erkennen der Existenz dieser Machtstruktur.

Machtstrukturen sind nur Werkzeuge. Ein Unternehmen braucht eine Machtstruktur, um als Unternehmen zu funktionieren. In Anlehnung an Shakespeares Zitat

Denn an sich ist nichts weder gut noch schlimm;
das Denken macht es erst dazu.
(William Shakespeare, Hamlet, 2. Akt, 2. Sz
ene)

kann man sagen

Denn an sich ist ein Werkzeug weder gut noch schlimm;
das Verwenden macht es erst dazu.

Ich kann eine Axt zum Fällen eines Baumes verwenden – oder zum Töten eines Menschen. Die Axt ist weder gut noch schlimm. Erst ihre Verwendung ist es.

Machtmissbrauch ist so alt wie Machtgebrauch. Die Geschichte ist voll mit Beispielen aus allen Bereichen des menschlichen Lebens.

Gelegenheit macht Diebe.
(Sprichwort)

Das ist die Gefahr, in der wir sind. Selbst wenn die aktuelle Situation irgendwie aufgelöst wird, so kann so eine Situation wieder eintreten, solange der auf Macht basierte Freiheitsbegriff im menschlichen Mindset (dh dem „menschlichen Huhn-Programm“) enthalten ist.

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Warum genau ist dieses Konzept von Freiheit ein Problem?

Macht zu haben, wie zB physische Kraft, Geld oder eine Position mit Befehlsgewalt über andere, ist nicht befriedigend. Macht zu haben, gibt einem nicht die Erfahrung, frei zu sein. Das ist so, weil der Glaube, dass Macht-Haben Freiheit bedeutet, nur eine Konditionierung und daher eine Illusion ist.

Eine Konsequenz daraus ist, dass die Menschen Macht ausüben, (a) um sich und anderen zu beweisen, dass sie Macht haben und (b) um zu erfahren, was sie für Freiheit halten.

Da aber die Menschen auch vom Macht-Ausüben nicht genug Befriedigung erfah­ren, üben sie sie weiter aus, um dadurch kleine Portionen flüchtiger Befrie­di­gung zu erlangen. Letztendlich hält sie das in einer Endlosschleife gefangen, in der sie permanent nach Macht streben und Macht ausüben. Im großen Rahmen führt das zu permanenten Machtkämpfen innerhalb jeder Gruppe von Menschen sowie zwischen Gruppen von Menschen. Die Geschichte der Menschheit ist dafür ausreichend Beweis.

Daher ist die Menschheit mit diesem Konzept von Freiheit in einer Sackgasse.

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Gibt es eine Freiheit, die von niemandem or nichts abhängt – außer von mir selbst?

Ja. Es ist das Freisein von meinen Programmen.

Jedes Kind ist dafür ein Beweis. Kinder werden frei geboren – frei von (mentalen) Programmen. Sie beginnen zwar sofort mit dem Kopieren des limitierenden Verhaltens ihrer Eltern und anderer Menschen, aber sie erfreuen sich doch einiger Jahre mit nur wenig Programmierung. Das endet, wenn die Programme eine gewisse Größe und Schwere erreicht haben. Wir nennen das: „Wenn der Ernst des Lebens beginnt.“ (Tatsächlich ist es „die Limitation des Lebens“ …)

Mit anderen Worten, als Kinder sind wir weitgehend frei. Solange unsere biologischen Bedürfnisse, wie zB Nahrung, erfüllt sind, sind das die schönsten und befriedigendsten Jahre unseres Lebens.

Wenn Du diese tiefe Freude am und Befriedigung mit dem Leben wiedererleben möchtest, musst Du Dich von Deinen (menschlichen Huhn-)Programmen befreien. Ich nenne diesen Prozess „Selbstbefreiung“.

Selbstbefreiung umfasst ein großes Spektrum. Das menschliche Huhn-Programm begrenzt die Menschen im Bereich von 99 %. (Denk an das Leben, dass der Adler im Hühnerstall führt.) Es gibt daher sehr viel, wovon Du Dich befreien kannst. Entsprechend umfasst wahre Freiheit ein großes Spektrum.

Das Ausmaß an wahrer Freiheit, das Du erreichst, hänge davon ab, wie viel Aufwand Du in die Selbstbefreiung investierst.

bk

Mehr über Freiheit:

Kapitel 10 in meinem Buch „Neugier: Der geistige Hunger des Menschen“

Kapitel 14 in meinem Buch „Bewusstsein: Natur – Zweck – Verwendung“