Was Du von Fehlern eines Vaters lernen kannst

Was Du von Fehlern eines Vaters lernen kannst

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Während ich an meinem Buch „Neugier: Der geistige Hunger des Menschen“ arbeitete, erkannte ich, dass ich als Vater einige fundamentale Fehler gemacht habe.

In diesem Artikel erzähle ich von einigen davon, sodass andere Väter (und Mütter) es besser machen können.

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Ein Kind ist grenzenlos neugierig. Es erforscht im Spiel die Welt, stellt mit allen Sinnen Tausende ‚Warum?‘ und ‚Warum nicht?‘ Fragen, lauscht nach Antworten und wächst so mit phänomenaler Geschwindigkeit.

Es ist schön, das zu beobachten!

Neugier ist geistiger Hunger. Das Spiel / die Erforschung eines Kindes ist nichts anderes als heißhungrige geistige Nahrungsaufnahme.

Laut gestellte Fragen sind dabei nur die Spitze der Spitze des Eisbergs. Die meisten Fragen stellt das Kind stumm. Indem das Kind etwas ergreift, es drückt und an ihm zerrt und es eventuell zerlegt, fragt es das Objekt ‚warum‘ es so ist, wie es ist.

Wie bin ich mit den laut gestellten Fragen meines Sohnes umgegangen?

Auch wenn er im Vergleich zu seinen vielen stummen Fra­gen nur manchmal laut fragte, mir erschien es, als würde er perma­nent laut fragen.

Wenn ich kei­ne Ant­wort wusste oder müde war, gab ich gelegentlich auch nutzlose Ant­wor­ten wie „Weil es so ist.“

Heute weiß ich: Solche Antworten sind Dämpfer für die Neugier eines Kindes. Es ist, als würde ich ihm, wenn es sagt, dass es hungrig ist, eine Jause verweigern.

Wenn ich nach einem anstren­gen­den Tag einfach nur meine Ruhe wollte, gaben ich ihm selten, aber leider doch auch Ant­worten wie: „Hör auf, so viel zu fragen!“

Heute weiß ich: Solche Antworten sind Dolchstoße für die Neugier des Kindes! Bekommt ein Kind solche Antworten öfters, verkneift es sich eines Tages das Fragen ganz.

Einmal saß ich mit meinem Sohn vor dem Fernsehapparat und wir sahen eine Kindersendung, die als für sein Alter geeignet angegeben war. Ständig stellte er Fragen zu dem, was wir sahen. Während ich etwas erklärte, ver­säum­­te ich den Fortgang des Gesche­hens. Also sagte ich nach ein paar Minuten, er soll ruhig sein und sich das einfach anschauen. Das tat er dann auch.

Heute weiß ich: Mein Sohn war grenzenlos neugierig. Was er auf dem Bild­schirm sah, stachelte seine Neugier an. Laut zu fragen war seine einzige Möglichkeit, um zu Antworten zu kommen, weil er das, was er wahr­nahm, nicht berühren oder sonst wie damit interagieren konnte. Ein Kind kann stumme Fragen mit seinen Händen, seinem Mund und seiner Nase stellen. Wenn es etwas aber nur sieht oder hört, wie zB eine Fernseh­sendung, kann es Fragen nur laut stellen. Indem ich meinem Sohn sagte, er soll ruhig sein und sich das einfach nur anschauen, habe ich seiner Neugier einen weiteren Dämpfer verpasst.

Ein Kind, das „betreuungslos“ vor dem Fernseh­apparat oder dem Internet sitzt und Sendungen schaut, lernt, Informationen unreflektiert aufzunehmen – statt mit der Welt zu interagieren, ihr Fragen zu stellen und selbst Antworten zu finden. Das Kind wird von einem neugierigen Forscher zu einem unkritischen Konsumenten.

Es beginnt in der Kindheit, doch es gilt auch für uns: Je mehr TV und Internet wir konsumieren, desto programmierbarer werden wir.

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Die Essenz meiner Erkenntnisse ist, dass die Neugier eines Kindes als mächtiger Fluss beginnt. Nach der Pubertät bleibt ein mickiriges Rinnsal.

Wir würgen die Fragen unserer Kinder ab, weil unsere Eltern unsere Fragen abge­würgt haben. Unsere Eltern haben unsere Fragen abgewürgt, weil ihre Eltern das mit ihnen gemacht haben. Das Abwürgen der wahren Neu­gier ist ein Verhaltensmuster, das sich in der Gesell­schaft herausgebildet hat – und die Menschen geben es als „geisti­ges Erbe“ unwissentlich von Generation zu Generation weiter­.

Allerdings bleibt die Energie hinter der wahren Neugier bestehen. Mit dem, was sie tun, leiten die Eltern diese Energie unwissentlich in alternative Kanäle wie zB Essen. (Ich beschreibe alle alternativen Kanäle in meinem Buch „Neugier: Der geistige Hunger des Menschen“ – und werde einige in zukünftigen Artikeln behandeln.)

Das Leben wir vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

Ich werde meine Erkenntnisse voraussichtlich nicht mehr anwenden, weil ich nicht plane, ein weiteres Kind aufzuziehen. Doch es ergab sich, dass ich mein Buch fertigstellte, als mein Sohn Vater wurde. Ich teilte ihm meine Erkenntnisse mit und gab ihm eine Exemplar, damit er aufhören kann, dieses unglückliche geistige Erbe weiterzugeben.

Mein Sohn macht es besser – zu Gunsten meiner wundervollen Enkeltochter.

Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen.
Neugier hat ihren eigenen Seinsgrund.
Diese heilige Neugier soll man nie verlieren.
(Albert Einstein)