Was weißt Du über die Welt?

Was weißt Du über die Welt?

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Was bedeutet es, etwas zu „wissen“?

Das Wort „wissen“ hat die sprachliche Wurzel *weid- mit der Bedeutung „sehen“. Du weißt das, was Du siehst – mit den Augen oder, im übertragenen Sinn, mit einem Deiner anderen Sinne. Zum Beispiel gehört das, was Du hörst, ebenfalls zu Deinem Wissen. Auch das, was Du geistig siehst, kannst Du als Dein Wissen bezeichnen.

Wissen ist daher im Kern dasselbe wie eine Ansicht oder eine Perspektive. Das Wort Perspektive kommt von lateinisch per (= durch) und specere (= schauen).

Wissen hat also nichts mit Wahrheit zu tun:

Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache.
Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.
(Mark Aurel)

Mit anderen Worten: Alles, was Du weißt, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.

Wenn Du an der Wahrheit interessiert bist, musst Du Dich an den deutschen Philosophen Artur Schopenhauer halten:

Die eigene Erfahrung hat den Vorteil völliger Gewissheit.
(Artur Schopenhauer)

Völlige Gewissheit (damit ist Wahrheit gemeint) hast Du nur innerhalb Deines persönlichen Erfahrungshorizonts. Und der ist, im Vergleich zur ganzen Welt mit fast acht Milliarden Menschen, verschwindend klein.

Wenn Du etwas liest, weißt Du nur, welche Perspektive die Person hat, die diesen Text geschrieben hat. Wie glaubwürdig ist diese Person?

Beantworte Dir selbst die Frage: Welchen Deiner „Wissensquellen“ (wie Bücher, Artikel, Lehrer, Seminare, Schulen usw) vertraust Du so sehr, dass Du bereit wärest, Dein Leben dafür einzusetzen?

Zurück zur Frage: Was weißt Du über die Welt?

Was weißt Du über Deine Nachbarin? Was weißt Du über den Bundeskanzler von Österreich? Was weißt Du über die Bundeskanzlerin von Deutschland? Was weißt Du über diese oder jene Schauspieler*innen? Was weißt Du über diese oder jene Sportler*innen? Was weißt Du über den US-amerikanischen Präsidenten?

Du weißt, welche Perspektiven Deine Wissensquellen über all das haben – allen voran die Medien. Doch das hat nichts mit Wahrheit zu tun. Es ist nur ein Spiegel der politischen, religiösen, kulturellen und ethnischen Perspektiven der Entscheidungsträger dieser Medien.

Hast Du schon einmal eine persönliche Erfahrung gemacht über das Verhältnis zwischen Realität und medialer Darstellung?

Als ich etwa 12 Jahre alt war, ist im Elternhaus meines besten Freundes ein kleines Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr kam und der Brand wurde rasch gelöscht. Am nächsten Tag war in der Zeitung ein Bericht, der die Ereignisse völlig verdreht darstellte. Ich weiß das, weil mir mein Freund den tatsächlichen Hergang erzählte – und ich ihm klarerweise mehr vertraute als dem Journalisten, der den Zeitungsbericht verfasst hatte. In der Zeitung wurde die Angelegenheit stark dramatisiert. Warum? Weil sich eine dramatische Geschichte besser verkaufen lässt …

Ich habe einen Artikel über die Wahrheit geschreiben („Die Wahrheit“). Die Suche nach der Wahrheit beginnt damit, dass Du erkennst und anerkennst, dass mehr als 99 % Deines Wissens nichts mit Wahrheit zu tun haben.