Wem vertraust Du?

Wem vertraust Du?

  • Post author:

Einem Menschen zu vertrauen bedeutet, anzunehmen, dass er wahr­haf­tig (ehrlich) handelt. Einem Menschen zu misstrauen bedeutet, da­mit zu rechnen, dass er unwahrhaftig (unehrlich) handelt.

Denk an einen Autoverkäufer, bei dem Du ein Auto kaufen willst. Er wird versuchen, das Auto so großartig wie möglich darzustellen und allfällige Mängel zu verschweigen.

Bei einem Versicherungsmakler ist es ebenso. Auch er wird versuchen, Dir seine Produkte schmackhaft zu machen. Nachteile wird er von sich aus kaum ansprechen; die verstecken sich im Kleingedruckten.

Immobilienmakler sind ein weiteres Beispiel.

Menschen handeln zum eigenen Vorteil und verdrehen dafür im Bedarfsfall die Wahrheit.

Sind nur die andern so?

Wenn Du Dir selbst gegenüber ehrlich bist, wirst Du Dir eingestehen, dass auch Du manchmal unehrlich/unwahrhaftig handelst, wenn Dir daraus einen Vorteil entsteht. Wie weit Du dabei gehst, hängt von Deinem moralischen Kompass ab.

Wir Menschen können lügen – und tun es bisweilen. Das lernen wir schon als Kinder. Wir lernen, nach Sicherheit zu streben. Wir lernen, auf den Ausgang bzw Verlauf von Ereignissen Einfluss zu nehmen. Dazu müssen wir zwangsläufig auf die Handlungen der involvierten Personen Einfluss nehmen. Das bedeutet, diese Menschen zu manipulieren.

Außerdem haben wir beim Aufwachsen mentale Bedürfnisse erlernt, wie zB das Bedürfnis, gesehen zu werden und Zustimmung zu erhalten. Dieses Bedürfnis zeigt sich zB bei der Verwendung sozialer Medien. Wir zeigen uns, indem wir etwas posten. Klicks zeigen, das wir gesehen werden. Likes zeigen, dass wir Zustimmung erhalten. Um unser Bedürfnis nach dem Gesehenwerden und nach Zustimmung zu erfüllen, tun wir oft das, von dem wir wissen, dass es anderen gefällt. Das ist unwahrhaftig.

Doch die Sache ist komplexer als nur vorsätzliches Lügen. Oft handeln wir unwahrhaftig, weil wir funktionieren.

Wie oft tust Du etwas, obwohl Du es eigentlich nicht tun willst? Du tust es trotzdem, weil Deine Programme Dir sagen, dass Du es tun sollst. Ein Beispiel ist ein Verwandtenbesuch, der von Dir erwartet wird. Das ist unwahrhaftig.

Alles in allem: Die Menschen handeln oft unwahrhaftig – manchmal willentlich, oft unwillentlich. Daher ist es angebracht, einander zu misstrauen. Die Sehnsucht nach Liebe ist Ausdruck des Bedürfnisses, jemandem zu vertrauen.

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Vertrauen gemacht?

Ich erinnere mich an einen Streit, den ich einmal mit meinem Vater hatte. Es ging um eine Aussage eines Politikers. Mein Vater argumentierte: „Wenn es nicht wahr wäre, würden sie es nicht im Fernsehen zeigen.“ Er vertraute sowohl dem Politiker als auch den Medien blind.

Es ist doch paradox, dass viele von uns den meisten Menschen, die sie kennen, misstrauen, während sie Menschen, die sie nicht kennen, vertrauen.

Übung: Mache eine Liste jener Menschen und Institutionen, denen Du so sehr vertraust, dass Du Dein Leben und Deine Gesundheit einsetzen würdest.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
(Wladimir Lenin)