Wenn wir nicht wachsen, verwelken wir

Wenn wir nicht wachsen, verwelken wir

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Die Phrase “Veränderung ist die Essenz des Lebens“ wird oft verwendet, um Menschen zu ermutigen, Veränderungen anzunehmen.

Doch stimmt sie überhaupt?

Stell Dir einen Laubbaum vor. Du pflückst ein Blatt vom Baum und legst es auf einen Tisch. Nach einiger Zeit ist das Blatt braun und trocken. Es ist verwelkt. Alle Blätter am Baum, die Geschwister des verwelkten Blatts, sind immer noch grün und lebendig.

Verwelken ist eine Veränderung. Das Blatt zerfällt. Aber diese Veränderung ist dem Leben entgegengesetzt. Daher kann Veränderung nicht die Essenz des Lebens sein.

Warum verwelken die Blätter am Baum nicht?

Es muss Prozesse im Baum geben, die das Verwelken/den Zerfall verhindern. Durch das Abpflücken haben wir das Blatt von diesen Prozessen getrennt.

Das gilt für alles, was lebt. Ein Stück Fleisch, das von einem lebendigen Tier getrennt wurde, zerfällt innerhalb von Stunden. Fleisch, das Teil eines lebenden Tieres ist, kann mehr als 100 Jahre alt werden, siehe Riesenschildkröten und Menschen.

Leben verhindert den Zerfall.

Wie tut es das?

Zerfall ist eine Veränderung, bei der etwas weniger komplex wird. Ein Blatt verwelkt. Ein Stück Fleisch verfault. Ein Stein zerfällt zu feinem Sand. Sogar Sterne zerfallen zu einem Weißen Zwerg, einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch.

Da Zerfall eine Abnahme von Komplexität ist, braucht seine Verhinderung das Gegenteil, nämlich eine Zunahme von Komplexität. Ein passendes Wort dafür ist Wachstum.

Das legt die folgende Perspektive nahe:

Alles zerfällt. Einige Dinge wachsen auch. Ist das Wachstum stark genug, um den Zerfall auszugleichen, ist das Ergebnis Zerfallsverhinderung. Das nennen wir Leben. Leben wächst, um sich gegen den Zerfall zu wehren. Leben heilt permanent seinen Zerfall.

Alle Lebensformen wachsen permanent. Allerdings ist das Wachstum oft nicht sichtbar.

Ist das Wachstum schwächer als der Zerfall oder gleich stark, ist es nicht sichtbar. Du kannst dieses Phänomen bei Weltklasse-Sportlern sehen. Diese trainieren viele Stunden am Tag, nur um ihre Fähigkeiten zu erhalten. Das Training, dass ihre Fähigkeiten zunächst entstehen (wachsen) hat lassen, genügt später gerade, um das Erreichte zu halten. Ohne Training würden ihre Fähigkeiten schwächer werden.

Beginnt das Leben, zB wenn ein Baum im Frühling neue Blätter entwickelt, ist das Wachstum stärker als der Zerfall. Endet das Leben, zB wenn ein Baum im Herbst die Blätter verliert, ist das Wachstum schwächer als der Zerfall.

Mit uns ist es ebenso. Als Kinder wachsen wir an allen Ecken und Enden. Unser Körper wächst und wir wachsen zahllose Fähigkeiten wie Gehen, Sprechen, Zeichnen, Schreiben usw. Im Alter verwelkt unser Körper und unsere Fähigkeiten werden schwächer. Wir können das verlangsamen, wenn wir aktiv weiter wachsen. Letztlich muss das geistiges Wachstum sein.

Wachstum ist die Essenz des Lebens. Wir müssen wachsen, um am Leben zu bleiben. Wenn wir nicht wachsen, verwelken wir.