Wie eine Leibspeise kam und ging

Wie eine Leibspeise kam und ging

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Viele unserer Programme entstehen durch Wiederholung. Manche entstehen durch Entscheidungen. Hier ist ein Beispiel für ein Programm, das bei mir durch eine Entscheidung entstand und durch eine Entscheidung auch wieder beendet wurde.

Einige Jahre lang war Schweinsbraten meine Leibspeise. Eine Leib­speise ist ein Programm. Mein Schweinsbraten-Programm ist so ent­standen: Als Kind aß ich kein Fleisch. Ich war etwa zwölf Jahre alt, als ich zusammen mit Eltern und Bruder einen Onkel besuchte. Er servierte, wie sonst auch, einen Schweinsbraten. Zum ersten Mal in mei­nem Leben probierte ich davon. Als mein Onkel das sah, sagte er: „Das freut mich! Jetzt bist Du erwachsen geworden.“ Meine Eltern pflichteten ihm bei. Ich wurde für das Essen von Schweinsbraten mit einem sozialen Up­grade belohnt. Welcher Zwölfjährige möchte nicht endlich zu den Er­wachsenen gehören? Ab diesem Tag war Schweins­braten meine Leib­speise.

Dieses Programm änderte sich Jahre später. Nachdem ich einen Vor­trag über die Wirkung von Schweinefleisch gehört hatte, besorgte ich mir Bücher zu diesem Thema. Die Argumente überzeugten mich und ich be­schloss, kein Schweinefleisch mehr zu essen. Das war zunächst auch nur ein Programm. Doch diesmal sollte sich herausstellen, dass das gut für mich war.

Nachdem ich etwa zwei Jahre lang kein Schweinefleisch gegessen hatte, aß ich einen Faschierten Braten, der angeblich zu 100 % aus Rindfleisch bestand. Er schmeckte sehr gut. Doch nach einer Stunde bekam ich star­ke Magenkrämpfe. Ein Verdacht stieg in mir hoch und ich bohrte nach, ob der Braten tatsächlich nur aus Rindfleisch zube­reitet worden war. Es stellte sich heraus, dass zur Hälfte Schweine­fleisch drinnen war. Ich hat­te unwissentlich ein Experiment gemacht, das klärte, ob mir Schweine­fleisch tatsächlich nicht guttat oder ob ich mir das nur einbildete. Ich wusste nun, dass ich Schweinefleisch nicht vertrage.

Wenn wir etwas lesen oder hören, wissen wir nicht, ob es die Wahrheit ist. Es ist ja nur die Perspektive des Autors. Der Autor kann sich irren – oder uns bewusst täuschen wollen. Daher ist das, was wir gelesen oder gehört haben, für uns nur Information. Wir wissen nur, dass dieses oder jenes die Perspektive dieses oder jenes Autors ist. Erst wenn wir selbst Erfahrung sammeln, wird daraus Wissen. Arthur Schopenhauer hat das so ausgedrückt:

“Die eigene Erfahrung hat den Vorteil völliger Gewissheit.”
(Arthur Schopenhauer)

Wir müssen die Wahrheit selbst erforschen. Das ist viel Arbeit und braucht eine gute Portion echte Neugier. Wie neugierig bist Du?